Die Tore von Himmel und Hölle

Ein Krieger kam zu Zen-Meister Hakuin und fragte: “Gibt es so etwas wie Himmel und Hölle?”

Hakuin fragte: “Wer bist du”

Der Krieger antwortete: “Ich bin der oberste Samurai des Kaisers”

Hakuin sagte: “Du, ein Samurai? Mit diesem Gesicht siehst du eher aus wie ein Bettler!”

Da wurde der Krieger wütend und zückte sein Schwert.

Hakuin stand ruhig vor ihm und sagte:

“Hier öffnen sich die Tore der Hölle”

Als er den Meister so gelassen dastehen sah, steckte der Soldat sein Schwert in die Scheide und verneigte sich.

Da sagte Hakuin:

“Und hier öffnen sich die Tore des Himmels”

Himmel und Hölle sind keine geografischen Orte. Wenn ihr euch aufmacht, sie zu suchen, werdet ihr sie nirgends finden, denn sie sind in euch. Sie gehören zu eurer Psyche. Der Verstand ist Himmel und auch Hölle.

Der Verstand ist zu beidem fähig. Aber die Leute stellen sich immer alles irgendwo da draußen vor. Unser Blick geht ständig nach außen, denn nach innen zu schauen, ist schwierig. Wir sind nach außen gerichtet.

In Wirklichkeit ist alles innen; das Außen ist nur eine Projektion. Angst ist in dir. Und diese Angst wird als Hölle nach außen verlegt. Es ist, als würde ein inneres Bild deiner Angst als Hölle auf eine Leinwand projiziert – deiner Angst, Wut, Eifersucht und allem, was in dir giftig ist, allem, was in dir böse ist.

Himmel und Hölle sind in dir. Beide Tore sind in dir (…). Himmel und Hölle liegen nicht weit auseinander, sie sind Nachbarn. Nur ein niedriger Zaun trennt sie. Du kannst den Zaun locker überspringen, nicht mal ein Türchen hat er. Und ihr springt wirklich ständig hin und her. Morgens bist du im Himmel, doch ehe es Abend geworden ist, bist du in der Hölle gelandet. In diesem Moment im Himmel, im nächsten in der Hölle. Es ist nur eine Stimmung, eine Geisteshaltung, je nachdem, wie du dich fühlst. In einem einzigen Leben wirst du der Hölle viele Male einen Besuch abstatten, und viele Male wirst du den Himmel besuchen. Ja, sogar an einem einzigen Tag.

Von Osho aus “Der Vogel im Wind. Die Weisheit des Zen”